"Schon als kleiner Mod brachte ich ab 1984 mehrere, damals noch fotokopierte Fanzines heraus, die ich in die ganze Welt verschickte. Selbst gelayoutet. Headlines aus Rubbelbuchstaben. Schreibmaschinentexte. Rechtschreibfehlerwüsten. Selbst Musik zu machen, kam mir gar nicht in den Sinn. Damit war ich Ende der 1980er in Linz wohl eher die Ausnahme als die Regel. Denn die Banddichte zu jener Zeit war phänomenal. Viele spielten gleich in mehreren Formationen. Ich verfolgte aber für ein paar Wochen ein anderes, ehrgeiziges Projekt, wollte nicht weniger als den Stammbaum der Linzer Musikszene grafisch darstellen, scheiterte aber bereits bei den ersten Recherche-Schritten. Nach lediglich zwei Interviews hatte ich so viele Namen und Querbeziehungen erhoben, dass die Undurchführbarkeit des Vorhabens für mich feststand. Es bedurfte einiger Anregungen und etlichen Abstands, um wieder an Ähnliches zu denken. Eine dieser Anregungen fand sich im Antiquariat von Peter Steinberg in Linz. Dort entdeckte ich im Inhaltsverzeichnis des "Historischen Jahrbuchs der Stadt Linz" aus 1964 den Verweis auf "einen der ersten Halbstarkenkrawalle in Linz um 1606". Halbstarke, Krawall - dieser für mich verheißungsvoll klingenden Ansage konnte der kaum zweiseitige Bericht über ein etwas außer Rand und Band geratenes Brüderpaar (so weit ich mich noch erinnern kann) kaum etwas nachreichen. Aber allein der kurz aufgeflammte Gedanke, es hätte 1606 tatsächlich so etwas wie aufbegehrende Jugendliche in Linz gegeben, die zu einem Krawall fähig gewesen wären, begeisterte mich restlos.
Und so kann ich behaupten, dass ich damals den Gedanken an eine Dokumentation der Linzer Musikszene wieder aufgriff. Diesmal nicht als Stammbaum, sondern als Buch. Und nicht etwa um knietief in Nostalgie zu waten oder wild herumzuinterpretieren, sondern um (eine) Geschichte aufzuzeichnen, die sonst bestenfalls aus Fußnoten und unzulässigen Beiträgen in Zeitungen und Magazinen zusammengetragen werden könnte."